Termine  

Sitzungstermine des Gemeiderats und der Ausschüsse sind dem Bürgerinformationssystem der Gemeinde zu entnehmen - wenn auch  nicht immer rechtzeitig. Dazu die Tagesordnungen und Unterlagen - allerdings erst 5 Tage vorher. Die Termine vieler weiterer Veranstaltungen finden Sie im  Veranstaltungskalender der Gemeinde.

 

 

   

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Zwickmühle Gemeinschaftsschule / 22.02.13

Die  Absichtserklärung für die freiwillige Einführung einer Gemeinschaftsschule (GMS) in Waldbronn ist abgegeben. Falls die zuständigen Institutionen grünes Licht geben muss also eine Entscheidung folgen. Dabei muss der Zweck der GMS-Einführung klar im Blick bleiben: sie ist ein strukturpolitisches Instrument, das angesichts des kontinuierlichen Rückgangs der Schülerzahlen kleinere Schulstandorte sichern soll (offizielle Prognosen bis 2030 für Waldbronn: Rückgang der Bevölkerungsgruppe der 10- bis 14-Jährigen um ca. 13% bei Rückgang der Gesamtbevölkerung um ca. 8% ). Neue pädagogische Konzepte sind nicht der Grund, sondern die notwendige Folge der Umstrukturierung. Diskussionen darüber sind wahre Glaubenskriege, die man den Bildungsexperten überlassen sollte.

Grundvoraussetzung für eine GMS ist eine 2-Zügigkeit, die eine Mindesteintrittszahl von durchschnittlich 40 Schülern in Klasse 5 voraus setzt. Angesichts seiner Jahrgangsstärken steht und fällt gerade für Waldbronn also alles mit dieser möglichen Übergangsquote. Die Aussage der zuständigen Referatsleitung des Regierungspräsidiums Karlsruhe zu diesem Thema lautetNach Kenntnissen aus bisherigen Beantragungen wurde eine Übergangsquote von 40% bzw. 50% zugrundegelegt (je nach regionaler Gegebenheit). Deshalb wird empfohlen, beide Berechnungsmodi zu erfassen und deren Konsequenzen zu bewerten.“

Für Waldbronn ergibt sich demnach bis zum Jahr 2022 nach amtlichem Berechnungsschema des Regierungspräsidiums und auf der Basis der Daten des Statistischen Landesamts:

·           Übergangsquote 40 % = jährlich durchschnittlich 35,1 Übergänge

·           Übergangsquote 50 % = jährlich durchschnittlich 43,9 Übergänge

·           Mittelwert 45 % = jährlich durchschnittlich 39,5 Übergänge

Die Gemeindeverwaltung kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis: trotz einer ebenfalls angegebenen Übergangsquote von 45 % erreicht man demnach durchschnittlich  44,2 jährliche Übergänge und übertrifft damit sogar noch den 50 %-Wert des Regierungspräsidiums. Die Ursache dafür ist ein abweichendes Berechnungsschema (Details hier).Es bleibt also nur, sich an die Empfehlung des Regierungspräsidiums zu halten und die Ergebnisse der verschiedenen Szenarien sowie deren Konsequenzen für Waldbronn realistisch zu bewerten. Die Unwägbarkeiten sind z.B.

  • ob der sich Trend zum Besuch von klassischer Realschule und Gymnasium wie bisher weiter verstärken wird - insbesondere auch durch den Wegfall der Grundschulempfehlung
  • wie sich die Attraktivität der Bildungsangebote in den Nachbarkommunen entwickeln wird
  • ob und wie viele zusätzliche GMS-Schüler ggf. aus Nachbargemeinden einpendeln
  • für welche Schulform sich die Waldbronner Eltern angesichts des breiten Angebots verschiedener Schulformen im erreichbaren Umfeld künftig entscheiden werden. Der Auszug aus einem Artikel der Südwestpresse (09/12) zu einem Schulstandort im Großraum Ulm gibt hier zu denken:  „(…) Für Standorte wie Schelklingen, wo es in Ehingen, Blaubeuren und Laichingen andere weiterführende Schulen in guter Erreichbarkeit gibt, geht das Ministerium von einer Übergangsquote von 40 Prozent aus (…)“

Um für Waldbronn  wenigstens eine vage Trendeinschätzung vornehmen zu können bietet sich unseres Erachtens eine – strikt neutral formulierte und ergebnisoffen gestaltete - Befragung der betroffenen Eltern an.

Für unsere Gemeinde geht es um sehr viel: einerseits um die Investition mehrerer Millionen, (Kleinere Gemeinden mit kritischen Schülerzahlen sind besonders belastet, da die Landesregierung geschickt Kosten und Risiken ihrer Bildungsreform auf die Kommunen abwälzt). Andererseits geht es aber um die von allen gewünschte optimale und wohnortnahe Versorgung mit Bildung und um die potentielle Chance, dass eine erfolgreiche GMS in Waldbronn dauerhaft betrieben werden kann.

Wenn also die Gemeinderäte entscheiden müssen stecken sie in einer Zwickmühle: 

Sollten sie angesichts der Unwägbarkeiten und Risiken gegen die GMS stimmen werden sie den Vorwürfen der Befürworter ausgesetzt sein, dass sie familienfeindlich seien, Bildungschancen verhindern und die Zukunftsfähigkeit Waldbronns gefährden würden. Sollten sie angesichts der Chancen und nachvollziehbar begründet zustimmen, aber diese Schule kein Erfolg werden, dann die andere Seite ihnen verantwortungslosen Umgang mit Haushaltsmitteln vorwerfen.

Alles richtig gemacht haben sie nur, wenn sie zustimmen und sich die Einrichtung dieser freiwilligen Schulform auch dauerhaft bewährt. Die Grundvoraussetzung dafür ist ein realistisches und nachhaltiges Finanzierungskonzept, das nicht ohne Abstriche bei anderen Ausgaben auskommen kann.

Der Ausgang ist in Waldbronn wie auch anderswo offen: am Ende des Tages werden nicht die Kommunen mit ihren Beschlüssen, sondern die Eltern und Kinder mit den Füßen darüber abstimmen, welche Schulform an welchem Standort Zukunft haben wird.

 

   
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